Der Markt „macht“ sich selbst? Was soll man sich unter so einem Titel vorstellen?

Das Wort „machen“ bedeutet ursprünglich soviel wie „herrstellen“. Man tut also etwas. In diesem Fall erstellt, der Markt sich selbst. Er erfindet sich immer wieder neu, er passt sich an.

Aber wie komme ich überhaupt darauf, dass der Markt sich selbst neuerfindet, Dinge tolleriert oder auch nicht, sich anpasst?

Vor ein paar Wochen habe ich diesen Gedanken das erstemal vor mich hin philosophiert. Ich ging durch die Dortmunder Innenstadt und bekam zufällig einen Gesprächsfetzen von einem Mann mit, der neben mir herging und sich mit einer älteren Dame unterhielt. Er sagt sinngemäss etwas wie „(…) an jeder Ecke diese Handyshops, die machen den ganzen Markt kaputt (…)“.

Und diesen Gedanken konnte ich als philosophischer Mensch garnicht nachvollziehen. Wieso machen die den Markt kaputt? Der Markt, ist nichts, was mal eben so „erschaffen“ wurde und auch kein konkreter Begriff, der Markt ist strenggenommen garnichts greifbares. „Der Markt“ bezeichnet verschiedene zusammenwirkende Kräfte.

Ursprünglich war der „Markt“ ein Ort, an dem gehandelt und/oder getauscht wurde. Daher auch der Name „Markt“ der vom lat. mercatus also Handel abgeleitet wird. Inzwischen verstehen wir unter Markt aber etwas viel komplexeres. Der Markt ist sozusagen das „Dach“ von Wirtschaft innerhalb eines bestimmten Handelszweigs. Z.B. Handymarkt, PC-Markt, Arbeitsmarkt o.ä. Im Rahmen dieses Marktes läuft dann sozusagen der Handel ab (Angebot/Nachfrage/Kauf etc.).

Der Arbeitsmarkt bezeichnet das Angebot und die Nachfrage von Arbeitsplätzen, der Immobilienmarkt macht das selbe für Immobilien usw.

Aber wie kann nun etwas, was Teil dieses Marktes ist – wie z.B. ein Anbieter – diesen Markt kaputt machen? WENN wir den Markt nicht als konkreten Ort oder Begriff bezeichnen können sondern nur sagen, dass der „Markt“ die Wirtschaft eines bestimmten Wirtschaftszweigs bezeichnet?? Und was noch viel schlimmer daran wäre: Warum macht dieser „Markt“ nichts dagegen?

Wenn wir anfangen den Begriff Markt als abstraktes „Dach“ eines Hauses zu begreifen, in dem sich Angebot und Nachfrage etc. abspielen und uns davon lösen diesen Markt als konkreten Begriff oder Ort zu sehen, dann werden wir verstehen können, dass NICHTS den Markt kaputt machen kann, was er tolleriert und solange der Markt besteht entwickelt er sich weiter (dieser „Markt“ ist verdammt flexibel).

Die Handygeschäfte, Arbeitslosen, Immobilienpreise etc. machen den Markt also nicht kaputt sondern zwingen ihn sich anzupassen, er verändert sich. Wenn die Gesellschaft (!) bestimmte Strömungen innerhalb des Marktes tolleriert, kann er also garnicht kaputt gehen.

Die Handygeschäfte machen den Markt also nicht kaputt, wenn sie das tun würden, hätten sie überhaupt keine Chance. Den den Markt kaputt zu machen hieße, dass es garkeine Nachfrage oder ähnliches geben würde. Wenn die Gesellschaft, die in direktem Kontakt zu diesem Markt steht, die Strömungen tolleriert, werden sie vom Markt akzeptiert er passt sich ihnen an. Der Markt ist also intakt, solange es noch Angebot und Nachfrage gibt. Man könnte theoretisch von einem „geschädigten Markt“ sprechen, wenn der Markt durch „äußere Einflüsse“ beeinflusst werden würde. Z.B. wenn eine Regierung alle Fast-Food-Ketten durch Schuhputzfirmen ersetzen würde, für die einfach nicht genug Nachfrage besteht. Dann würde es zu einer „Überschwemmung“ des Marktes kommen.


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