Liebe Kinder,
ich möchte euch bitten die nachfolgende Geschichte nicht nachzuspielen. Wahrscheinlich macht sich irgendjemand damit sogar strafbar und höchstwahrscheinlich ist es in diesem Fall sogar der getäuschte selbst, was am ärgerlichsten wäre. Seht die folgende Geschichte viel mehr als Musterbeispiel dafür, wie Täuschung prinzipiell funktioniert und als Möglichkeit Schwachstellen zu erkennen und sie zu beseitigen. Have Fun!
Es ist Mittwoch Nachmittag halb 5 und ich bin auf dem Weg mit dem Hund noch einmal schnell in den Penny gesprungen um eine Flasche Sekt zu kaufen. Mit nur 10 Euro und einem iPhone bewaffnet stürme ich also den Penny Markt und habe weder einen Ausweis noch einen Reisepass oder ein andere Dokument dabei, das meine Identität bezeugen würde. Ich stehe also an der Kasse und denke mir, dass ich mich auf eine Diskussion vorbereiten kann. Denn wenn man aussieht wie ich, wird man immer nach einem Ausweis gefragt. Ganz egal ob man Sekt kauft, Bier, Schnaps oder Zigaretten. Dann fällt mir auf, dass der Kassierer etwa in meinem Alter ist und ich tippe mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit darauf, dass er der Bruder von einem jungen ist, der sich mal mit einem Mädchen getroffen hat dass mir davon erzählt hat und ich so zufällig auch seinen Nachnamen kenne. Google ist dein Freund. Also google ich mal “Nachnamen + Dortmund” und werde fündig. Auf der Online Präsenz der Ruhr Nachrichten findet man einen Artikel über ein Handballspiel der A-Jugend, dass schon etwas zurück liegt. Mit Foto und Voilá unser Kassierer-Boy ist auch auf dem Foto sehr gut. Den Namen hab ich also schon mal. Nun noch die Facebook Suche. Wunderbar, wir haben sogar einen gemeinsamen Freund. Gut. Mit diesem wissen ausgestattet warte ich jetzt noch bis ich an der Reihe bin.
Er guckt mich skeptisch an. Erst mich, dann die Falsche Sekt, dann noch mal mich. Es ist an der Zeit das Feuer zu eröffnen und ich blicke ihm in die Augen während ich sage “Hey bist du nicht XY? Der Handballspieler… ich hab dich letztens in den Ruhr Nachrichten gesehen?”
Abgelenkt von der eigentlich Situation, schaut mich mein Kandidat etwas verwirrt an und fragt nach ein paar Sekunden “Echt? Woher kennst du mich?” ich fasel ein wenig etwas von “Die Welt ist klein… und bla bla bla…” und fange direkt an über den Gemeinsamen Freund zu sprechen, den wir bei Facebook haben. Erzähle von einer Party, auf der ich mit ihm war etc. schließe dann aber mit einem “oh ich muss mich aber jetzt beeilen, was bekommst du von mir!?” Das Gespräch ab.
Nach einem Ausweis hat er natürlich nicht gefragt, auch wenn er mir vor 2 Minuten nie im Leben geglaubt hätte, dass ich schon über 16 bin. Geschweige denn 21.
Nun was lernen wir daraus?
Der beste Weg, jemanden dazu zu bringen, dass er die normalen Vorschriften nicht mehr beachtet, ist, ihn aus der gewohnten Umgebung zu entreissen. Wir durchbrechen die geschäftliche Situation durch etwas privates und bauen direkt eine Verbindung auf. Dabei ist es ganz wichtig cool zu bleiben und sich entsprechend dem Mindset zu verhalten. Keine Nervosität zeigen und erst recht nicht, überhaupt von sich aus zeigen, dass man einen negativen Ausgang zu befürchten hat. Ich tue einfach mal so, als wäre es für mich ganz normal Alkhol ohne Ausweis zu bekommen (was es mit 21 ja auch sein sollte) und bleibe ganz ruhig und lenke die Unterhaltung dann geschickt auf eine andere Ebene.
Dies erfüllt erstens den Zweck ihn abzulenken, so dass die normale Routine nicht mehr durchläuft und zweitens schaffe ich eine Verbundenheit, die es ihm Unangenehm erscheinen lässt mich jetzt noch nach einem Ausweis zu fragen, weil er mir ja dadurch indirekt zeigen würde, dass er mich jünger einschätzt als ich bin und damit würde er indirekt auch sich selbst abwerten, wenn er mit Leuten abhängt, die widerrum mit Leuten abhängen, die nicht einmal 16 sind.
Hier wird also eine deutliche Schwachstelle aufgezeigt die charakteritisch für Social Engineering ist. Die einzige Möglichkeit hier, wäre gewesen die Leute entsprechend zu instruieren, so dass sie grundsätzlich immer nach nem Ausweis fragen. Auch wenn sie jemanden kennen bzw. zu kennen meinen.