Was ist eigentlich die Bohème?
Bohème ist ein Wort, das komischerweise im Internet neu in Mode gekommen ist. Zumindest wer einen Sascha Lobo verfolgt oder auch sonst seine Followings in ähnlichen Kreisen ansiedelt, wird über das Stichwort “Digitale Bohème” nicht hinweggekommen sein. Wer noch nicht weiß, was die Bohème nun wirklich ist, der sollte sich den Wikipedia Artikel dazu nun einmal auf der Zunge zergehen lassen:
Alle Bohèmebewegungen weisen ein hohes Maß an Selbstreferentialität auf. Ihr beliebtestes Motiv sind sie selbst.
Soweit so gut, bis dahin würde auch ich mich gern mal als Bohème bezeichnen, doch es geht noch weiter. Schreiten wir doch einmal zu den Bohème Merkmalen vor.
Im Café findet die Bohème zum einen Öffentlichkeit, die sie braucht, um ihre symbolischen Aggressionen wirksam werden lassen zu können – auch Bürger verkehren, größtenteils aus Neugier, in den Bohèmelokalen -, zum anderen die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auf der Basis von Philisterhass und bohemischem Lebensgenuss zusammenzutun. Noch andere Motive spielen eine Rolle: zum Beispiel triste, unbeheizte Wohnverhältnisse, die Notwendigkeit, um der äußeren Existenzerhaltung und inneren Selbstbestätigung willen Anschluss an Freunde, Gönner, Bewunderer, Nachahmer zu finden, die Suche nach Ruhm oder ein Sprungbrett zum Erfolg.
Würde ich versuchen dieses Café in die heutige Zeit zu übertragen, fällt mir doch spontan Starbucks ein und vor meinem inneren Auge purzeln just in diesem Moment unzählige Twitteravatare an einer imaginären Timeline herunter. Junge Menschen, die mit ihrem MacBook oder ihrem iPod Touch viel zu viel Zeit bei Starbucks verbringen, damit zu twittern oder wie sie es selbst nennen “zu arbeiten“.
und weiter geht es mit der bürgerlichen Arbeit und der Armut:
Ist der Bohemien gezwungen, einem bürgerlichen Beruf nachzugehen, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, empfindet er dies meist als unerträgliche Sklaverei. Mit der Bejahung der Kunst geht die Verneinung entfremdeter Arbeit Hand in Hand. Der Erwerbsgedanke ist dem Bürgerstereotyp zugeordnet.
so dass Armut zu einem charakteristischen Merkmal der Bohème wurde und vielfach in ihren Werken idealisiert und romantisiert wurde.
Das ganze erinnert mich an die Geschichte eines Freundes, der jemanden in seinem Studiengang hatte, der zwar bereits im Jahre 2008 ein MacBook Pro und ein iPhone besaß aber sein MacBook Pro immer unter dem Bett verstecken musste, wenn er nicht zu Hause war, weil die Tür seiner 1-Zimmer-Bude irgendwo im sozialfreundlichen Wohnen sich nicht mehr richtig verschließen ließ und so – theoretisch – jeder mit festem Willen in die Wohnung hätte eindringen können.
Den ganzen Artikel findet ihr hier: Bohème
Zum Schluss noch eine kleine Anmerkung am Rande:
Ich sitze selbst gerne in Cafés und ich denke, dass dies ein wunderbarer Ort ist um einfach mal in Ruhe einige Mails zu beantworten und auch um zu arbeiten, darüberhinaus bin ich ein großer Freund des Co-Workings und denke generell, dass wir uns in der glücklichen Position befinden immer und überall arbeiten zu können so fern es einen Internetanschluss und eine Steckdose gibt, sei es nun am Nordpol oder bei Starbucks. Außerdem sind viele meiner Freunde genau in diese Kategorie einzuordnen, es liegt mir fern Menschen für etwas zu verurteilen, was sie tun, denn so lange es funtkioniert scheinen sie es ja richtig zu machen. Ich hasse es, solche Randbermerkungen unter meine Artikel zu schreiben, weil ich mir eben wünsche, dass jeder meiner Leser mich so gut kennen würde, dass er von allein versteht, dass ich die zynischen Bermerkungen nicht böse meine, doch leider habe ich noch nicht genug an Popularität gewonnen um mir solche Disclaimer sparen zu können.













