Clint Eastwood is back!

Als Kind der 90er assoziierte ich den Namen “Clint Eastwood” jahrelang mit der Person für die sich Marty McFly (Michael J. Fox) in Zurück in die Zukunft III ausgibt.1 Gut, dieses Bild von ihm änderte sich dann mit der Zeit und spätestens mit dem Film “Gran Torino” aber darum soll es jetzt gar nicht gehen.

Ich hab mich nämlich am Montag von einer Freundin dazu überreden lassen auf ein Pferd zu steigen. Zugetragen hat sich dass alles im geteilten Deutschland: Bruchmühlen, halb Niedersachsen, halb Nordrhein-Westfalen (es würde mich wirklich nicht wundern wenn sie bald eine Mauer durch diese Dorf bauen). Ein von Einöde gezeichnetes Kaff in dem man bestenfalls Herforder Pils vorgesetzt bekommt oder ein leckeres Barre Bräu beim traditionellen Osterfeuer.

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Und so kam es, dass ich bereits am Montag vor die Wahl gestellt wurde: entweder ich steige auf ein Pony namens Jonny (das reimt sich, ich bin ein Poet!), dazu muss man sagen, dass Jonny nur knapp dem Pferdemetzger entkommen ist, nicht besonders auf seine Linie achtet, seinen eigenen Kopf  und vorallem nur ein Auge hat oder ich wähle das kleinere Übel und steige auf eine ca. 1,70 hohe (Rücken!, Kopf lag bei über 1,90m) ältere Dame die nicht immer guckt wo sie hinläuft. Ok, die Wahl fiel mir eigentlich ganz leicht: Ein richtiger Mann sitzt auf einem richtigen Pferd. Würd ich mal sagen, also das Ponny fällt raus – es stellte sich später auch heraus dass das so besser war, denn Jonny hatte wirklich seinen eigenen Kopf.

Vorbereitungen:

Direkt zu Anfang bemerkte ich, dass die beiden echt verdammt verfressen waren, dies sollte sich auch gestern noch einmal bestätigen als sie ein 1kg Möhren in wenigen Minuten platt machten. Und gelbe Zähne haben sie und Mundgeruch und wie bereits erwähnt hat der gute Jonny nur ein Auge, also sollte man sich ihm vorsichtig nähern, denn er erschreckt sich schnell (genauso wie die andere Oma :D ) nachdem ich mir dann so eine Rennschnecke ausgesucht hatte und sich schon langsam das Gefühl einstellte, dass dies eine schlechte Idee war, stellte ich schnell fest: Wenn du mal richtig was für deine Oberarme tun willst musst du eigentlich nur mal so ein ganzes Pferd putzen. Ich dachte immer Duke verliert viele Haare wenn er sich heimlich auf der Couch räkelt aber das ist gar nichts. Nach ner halben halben Stunde stand ich bis zu den Knien in Pferdehaaren und eigentlich hätte nur noch ein Staubsauger helfen können. Dann gings los, erstmal musste man ja da irgendwie drauf kommen und jeder der mich kennt weiß dass ich kein Riese bin :D . Aber es ging dann doch irgendwie und dann machten wir uns auch schon auf den Weg. Für sage und schreibe: 4 Stunden. Das ist keine Übertreibung, es waren wirklich 4 Stunden von ca. 14 Uhr bis kurz nach 18 Uhr.

Hier noch ein paar Erkenntnisse des Pferdeflüsters

Jonny sieht mit seinem einen Auge wirklich nicht besonders viel. Zwischenzeitlich gab ich ihm nette Spitznamen wie “Zyklopi” oder so, die hat er aber immer nut meinem einem abfälligen Schnauben kommentiert. Wenn Jonny nicht abfällig vor sich her schnaubte furzte er. Askia hingegen war ausreichend damit beschäftigt nicht darauf zu achten wo sie hinläuft (im Wald ist sie daher mehrfach über Wurzeln gestolpert :D ) und sich ständig einen kleinen Snack von der grünen Wiese zu nehmen.

Überhaupt haben Pferde ein sensibles Gespür dafür, mit wem sie ihre Faxen treiben können und mit wem nicht. Und da ich anfangs immer Angst hatte der Oma (wundert mich dass die noch ihre echten Zähne hat… ) weh zu tun, wenn ich sie richtig “durchpariere” hat sie schnell begriffen, dass sie mit mir eigentlich alles anstellen konnte. Deswegen schüttelte sie auch ständig ihren Kopf oder blieb mitten im Schritt stehen um sich noch einen Snack von der Wiese zu genehmigen. Irgendwann kombinierte sie ihre Faxen mit einem schnellen Galopp und mir riss endgültig die Geduld also riss ich die Zügel einmal fest an mich mit den Worten “ALTER JETZT REICHTS ABER” – von da an verstanden wir uns prächtig.

Und es ging dann auch, sogar im Galopp nur leider ist die alte Dame wirklich nicht mehr die sicherste auf ihren vier Hufen und so kam es, dass sie irgendwann zwischen 20 und 30 km/h stolperte. Ich riss die Augen auf, dachte mir nur “jetzt fliegst du vorne rüber” aber sie konnte sich dann glücklicherweise noch mal fangen. Ich musste sie dann aber doch kürzer nehmen, da sie besonders auf dem Rückweg zum Hof immer spontan kleine Sprints hinlegen wollte.

Wenns mal wieder länger dauert... Meine nächste Erkenntnis ist: Pferde schwitzen. Und zwar so richtig. Die Oma war am Ende nass geschwitzt. Und: Pferde erschrecken sich ständig. Zumindest Jonny. Er erschreckt sich eigentlich vor allem, vor Häusern, vor Bäumen, vor Steinen, vor Pappe ganz egal. Ich habe die Vermutung, dass es mit seinem Handicap zusammenhängt, immer hin kann man mit nur noch 50% der Augen auch nur noch Zweidimensional sehen und somit Entfernungen nicht abschätzen. Aber auch Oma-Askia (immerhin ist die gute schon über 20) erschreckt sich gerne Mal vor irgendwelchen Sachen die “plötzlich” auftauchen.

Muskelkater

Ich kann niemandem raten ebenfalls beim ersten Mal gleich vier Stunden zu reiten. Es fühlt sich nicht anstrengend an, doch mir tat am nächsten Tag alles weh. Wirklich alles. Der Muskelkater begann in den Oberschenkeln und zog sich bis in die Schultern. Besonders hart hat es die Rückenpartie im unteren Bereich der Wirbelsäule getroffen, da man beim Reiten ständig damit beschäftigt ist irgendwie sein Gleichgewicht zu halten.

Hier sieht man übrigens mich auf Askia, ich sehe ein klein wenig aus als wäre ich einem drittklassigen Western entsprungen, nur der Hut fehlt. Und daneben sieht man mich, wie ich Spaß mit Jonny habe: Mit dem Zweiten sieht man besser.

Zusätzlich muss erwähnt werden, dass Jonny sein Nahtoderlebnis noch nicht wirklich verarbeitet hat2 das zeigt sich darin, dass er immer ein bisschen komisch wird, wenn man Askia aus seiner Nähe wegführt. Ich werde ihn für eine neue Reality-Serie auf RTL II vorschlagen: Der Pferdeflüsterer. In der Hauptrolle ich, als Clint Eastwood.

Wie bereits erwähnt hatte ich am darauffolgenden Tag (Dienstag, 06.04.) einen tierischen Muskelkater. Da aber das Wetter am Mittwoch so schön war, ließ ich mich von der selben Freundin erneut dazu überreden aufs Pferd zu steigen. Das war eine schlechte Idee. Muskelkater sollte man immer komplett auskurieren bevor man erneut aufs Pferd steigt. Hinterher ist man ja immer schlauer.

Also ging es gestern wieder los. Erst mal das Pferd bürsten und so… und wieder verlor Askia gefühlte 3 Kilo Haare (wo nimmt sie die eigentlich alle her?) und ich fühlte mich nach einer halben Stunde schon ziemlich geschlaucht. Zusätzlich war gestern der wärmste Tag des bisherigen Jahres und ich schwitze bereits beim Bürsten wie ein Pferd. Also zog ich meine Sweatshirtjacke aus und bürstete weiter in meinem sexy BarcampRuhr 2 T-Shirt.

Hier sieht man mich und ich finde, ich sehe ein bisschen aus wie Clint Eastwood.

Danach gings dann noch mal eine kleine Runde machen inkl. einer kleinen Pause, die Jonny dazu nutze sich mit seinem Sattel im Gras zu wälzen (leider gibts kein Foto ich war nicht schnell genug).

Insgesamt muss ich sagen, dass es sich gelohnt hat und ich das vielleicht sogar irgendwann noch mal wieder machen könnte. Sofern mein Muskelkater sich bis dahin verbessert hat, das Wetter top ist und ich anschließend ein leckeres Barre Bräu serviert bekomme (Bier Review zum Barre Bräu kommt ebenfalls in den nächsten Tagen!).

Ach noch was abschließend: Mit Jeans reiten ist der letzte Dreck, da einem die Knie durch das ständige Gescheuer am Sattel nach einiger Zeit verdammt weh tun aber ein Indianer Cowboy kennt keinen Schmerz.

Anmerkungen:

  1. “Da Marty sich 1885 als Clint Eastwood ausgibt, die Lokomotive, die Marty im De Lorean anschiebt, in die Schlucht stürzt, und alle Welt annehmen muss, dass er mit hinab stürzt und umkommt, heißt die Schlucht 1985 dann „Eastwood-Schlucht“ (Schild).” Wikipedia []
  2. wie bereits erwähnt war der moppelige Jonny eigentlich als Schlachtpferd gedacht, kam aber um ein Haar noch mal aus der Nummer raus []