Silvio Berlusconi ist der Mister Burns von Italien

berlusconi-obama

Der Mittwoch war ein rabenschwarzer Tag für Italiens Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Das italienische Verfassungsgericht kippte das von Berlusconi verabschiedete Gesetz der Immunität des Ministerpräsidenten. Berlusconis Gesetz verletze den Verfassungsgrundsatz, dass alle Menschen vor dem Gericht gleich seien, hieß es als Urteilsbegründung.

Nun muss er mit der Wiederaufnahme mehrerer Korruptionsverfahren rechnen. (Berlusconi verliert Immunität)

Aber das ist nicht der einzige Grund, warum ich Silvio Berlusconi einen Blogartikel widmen möchte. Denn ich muss zugeben, dass ich diesen Blogpost schon seit längerer Zeit im “Entwurf-Ordner” liegen gehabt habe und nur auf den passenden Augenblick gewartet habe um ihn endlich zu veröffentlichen. Silvio Berlusconi reiht sich nämlich zusammen mit Michel Friedman und Henryk M. Broder perfekt in die Reihe der “Helden meiner Kindheit und Jugend” ein.

Mal ganz im Ernst. Dieser Typ ist genial, er ist sicherlich nicht das Beste was Italien passieren kann. Ganz im Gegenteil aber macht ein geniales Brandmanagement. Und der Brand Silvio Berlusconi ist in Italien sicherlich genau so stark wie Barack Obama in den USA und hundert Mal stärker als das Corporate Identity einer Angela Merkel in Deutschland.

Viele seiner politischen Entscheidungen kann man im restlichen Europa nicht ganz nachvollziehen, ich erinnere an dieser Stelle an die Komapatienten Eluana Englaro. Hier wollte Berlusconi die “Sterbehilfe” (durch das Verzichten auf lebenserhaltende Maßnahmen) der Komapatienten verhindern, in dem er die Mediziner per Gesetz dazu zwingen wollte, die künstliche Ernährung wieder aufzunehmen (Berlusconi schürt Streit um Sterbehilfe). Dieses Verhalten ist für einen Christdemokraten (Berlusconis Partei Popolo della Libertà ist vergleichbar mit der CDU CSU in Deutschland) noch nicht sonderlich verwunderlich, sein “privates” Verhalten dafür aber umso mehr. So zum Beispiel seine Affäre zu der damals minderjährigen gerade volljährig gewordenen Noemi Letizia. Oder beispielsweise seine Entscheidung eine Transsexuelle in das Europäische Parlament zu holen. Insgesamt, kann man sagen, dass diplomatisches Verständnis und Geschick unter der Regierung Berlusconis keine Garanten für politischen Erfolg sind. Der Ministerpräsident – und ehemaliger Vereinspräsident des AC Milan – brüstet sich viel mehr damit, dass “das Auge mit esse” und entscheidet bei der Aufstellung von Kandidatinnen für das Europaparlament nach der Optik (Showgirls und Prinzen für Europa), böse Zungen behaupten, man würde dem Europaparlament mit dieser Kandidatur süffisant seine Unbedeutenheit vorführen. Außerdem ist das Aussehen der Abgeordnetinnen auch immer wieder ein gutes Argument für die Überlegenheit Rechtsfraktion: “Die Frauen der Rechten sind mit Sicherheit hübscher” (8.4.08, radio anch’io) (und auch sonst ist man von Berlusconi ähnlich geistreiche Argumentationen gewohnt: “Keiner meiner Minister ist so gut bestückt wie ich” – 24.01.04).

Doch nicht nur im Verhalten mit dem Europaparlament oder anderen europäischen Politikern (bspw. ließ er – siehe Video – NATO-Gipfel-Gastgeberin Angela Merkel wegen eines Telefonats mit Erdogan bei der Begrüßung stehen und spazierte lieber mit dem Handy telefonierend am Rheinufer entlang… außerdem verglich er den deutschen Abgeordneten Martin Schulz mit dem Kapo in einem KZ) bringt Berlusconi seine Dreistigkeit und Süffisanz zum Ausdruck. So sagte er bspw. als Verteidigung zu seinem ersten Immunitätsgesetz 2003

Es ist richtig, dass alle vor dem Gesetz gleich sind, aber ich bin gleicher, weil mich die Mehrheit des Volks gewählt hat.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=mWgHDPxPf_A[/youtube]

In meinen Studien über die Person Silvio Berlusconi ist mir immer wieder der Vergleich mit Charles Montgomery Burns in den Sinn gekommen. Berlusconi arbeitete sich nach und nach vom Jurastudium, über den Bauunternehmer zum Medienmogul mit eigener Werbeagentur zur Vermarktung seiner Fernsehsender (sein Marktanteil an der italienischen Fernsehlandschaft beträgt etwa 90% – passend dazu liegt der Anteil an den Fernsehwerbungeinnahmen seiner Werbeagentur bei 60%) zum Ministerpräsidenten (zwischendurch bekleidete er noch weitere politische Ämter) hoch. Monty Burns hingegen ist arbeitet seit einer Ewigkeit als Chef des Springfielder Atomkraftwerkes. Zwischendurch verlor er aber auch schon sein Vermögen (z.B. in den Folgen Mister Burns wird entlassen und Der Alte Mann und Lisa) und musste sich anderweitig durchschlagen.

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Homolog zu Berlusconis Immunitätsgesetz ist Burns Masterplan, dass der eigentliche Besitzer des Atomkraftwerkes, der Kanarienvogel C. M. Burns ist (Folge: Mister Burns wird entlassen). Außerdem gibt es in vielen Simpsons Folgen Anspielungen darauf, dass auch Monty Burns in die Politik gehen möchte.

Folge: Frische Fische

Bart: Dad, ist Mr. Burns eigentlich schon Gouverneur?

Homer: Ich glaube noch nicht.

In der Folge „Wer erschoss Mister Burns?“ weist Monty B. ähnlich größenwahnsinnige Vorhaben wie Silvio B. auf: er versucht die Sonne zu verdunkeln, damit von nun an, alle Bewohner Springfields Tag und Nacht auf seinen Atomstrom angewiesen sind.

Hin und wieder durchbricht Monty Burns allerdings sein böses Image (Zitat Kent Brockman: “(…) hier sieht man ihn Kinder tyrannisieren auf einem Holzschnitt von 1900″ ) um sich in Szene zu setzen.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=S57OHW_WEfA[/youtube]

Auch Beispiele für Berlusconis Selbstinszinierung sind legendär. So verschickte seine Partei im Wahlkampf 2001 eine 128 Seiten starke Berlusconi Biografie an alle Haushalte Italiens. Weitere Beispiele sind die CD, die Berlusconi zusammen mit seinem Freund Mariano Apicella aufgenommen hat und der folgende Wahl-Werbespot mit dem Slogan “Meno male che Silvio c’è” (Gut dass es Silvio gibt!). Für alle, die ebenso treue Silvio Fans sind wie ich, wird in diesem Video außerdem der Text als Untertitel zum Mitsingen eingeblendet, da ist der nächste Karaoke Abend doch gerettet, oder!? Wann wird es wohl eine extra Singstar-Diktatoren-Diplomaten Edition geben? Immerhin wussten schon die Nazis, dass man das Volk mit deutschem, völkischen Liedgut begeistern kann… halt Moment: das ist wieder einer dieser Vergleiche die man in Deutschland nicht bringen darf, oder? Streichen wir das…

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=WXf-YbsSh0Y[/youtube]

Zum Schluss noch Berlusconi’s Best of Zitate zum Thema Kommunismus:

“Ich möchte hier noch einmal an die kommunistischen Attacken auf die Zwillingstürme erinnern…” (Silvio Berlusconi – 21. Mai 2004)

“Es tut mir Leid, dass ich gesagt habe, die Kommunisten fräßen kleine Kinder. Aber wenn Sie wollen, kann ich eine Konferenz organisieren, auf der ich beweisen werde, dass die Kommunisten tatsächlich kleine Kinder gefressen und sogar schlimmere Dinge getan haben” (Silvio Berlusconi – vor der Wahl 2001)

“In China unter Mao haben die Kommunisten die Kinder nicht gegessen, sondern gekocht, um sie als Dünger zu verwenden.” – die folgende Welle der Empörung kommentierte Berlusconi mit “Leider gibt es einen generellen Mangel an Humor.”; Kurier, 7. April 2006

Eine Kleinigkeit habe ich noch. Ein absoluter Brüller und zwar dieses Video:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=acVqHjMQFq4[/youtube]

Ja richtig, es zeigt Berlusconi mit einer Politesse. Die Frage ist nur, ist es echt oder ist es ein Fake? Man würde es ihm ja zutrauen… ABER es handelt sich bei diesem Video um eine nie gezeigte Szene aus der Politsatire “Bye-Bye-Berlusconi” (Berlusconi-Videos: Nein, so was macht der nicht).

Trotzdem: Möchte ich an dieser Stelle noch einen Kommentar unter dem Video zitieren :D

Hahahahaha! I wish he was OUR prime minister!

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Und weil es so schön ist, möchte ich an dieser Stelle noch einmal festhalten: Sollte ich mein Abitur nicht schaffen werde ich nach Italien auswandern um meinen Lieblingspolitiker beim Wahlkampf zu unterstützen.

Achja: Eine Anmerkung habe ich noch ;) ich bin nicht so der Grafikspezie aber bei den beiden Illustrationen (Berlusconi als Simpsonscharakter) und das Berlusconi-Bild im Obama Style habe ich mir wirklich Mühe gegeben… die Bilder erscheinen unter Creative Commons BY-NC-SA

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Ich bin 23 Jahre alt, arbeite im Online Marketing und lebe seit März '13 bis August in Wien, Österreich.
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