Patrick Swayze ist nicht tot
Twitter ist mit Sicherheit eines der schnellsten Medien um Nachrichten zu übermitteln. Möglicherweise ist Twitter sogar das schnellste Medium dafür. Doch heute haben wir gesehen, der Schuss kann schnell nach hinten los gehen. Denn bei Twitter wird auch mal schnell jemand für tot erklärt der es garnicht ist.
Vor rund 5 Stunden habe ich einen Tweet von Twitterholic Trendlupe gelesen:
Patrick Swayze is dead – God Bless His soul – have a prayer for his family
Hier kannst du die Twittermeldung nachlesen
Ich war gleich geschockt und habe es geretweetet. Das ist im twhirl ein Klick und alle meine Follower profitieren von der Info, außerdem bekommt der Urheber noch eine Erwähnung über das RT @ und gewinnt dadurch vielleicht sogar neue Follower. Eine klassische Social Media Win-Win Situation also. Die Sache hat nur einen Haken. Twitter ist nicht nur wegen der kürzeren Kommunikationswege durch das Internet schneller als die klassischen Medien, sondern auch weil Informationen und ihre Quellen i.d.R. nicht sorgfältig genug geprüft werden.
Twitter ist die (möglicherweise) schnellste Möglichkeit um Information zu verbreiten und auch Gerüchte zu streuen. Schnell mal ne Quelle gefaked (und dazu reicht es eine Page online zu stellen, die vom Aufbau und Design an ein Presseportal angeglichen ist oder einem Onlinemagazin ähnelt und dort die Nachricht reinknallen) und die Quelle mit dem Tweet angeben. Bei einigen Sachen gehts aber auch ohne Quelle. Man muss nur genug Follower haben, die die falsche Info weitertragen. Mit dem mehrfachen Retweeten fragt schon irgendwann niemand mehr nach der Ursprungsquelle und es ist auch so gut wie unmöglich herauszufinden wer damit angefangen hat.
Ich habe gerade versucht über die Twitter Search mal den Urheber des Gerüchtes zu finden, aber ich kann in der Historie nur 100 Seiten zurück gehen. Pro Seite zeigt Twitter bei der Suche 15 Ergebnisse an. Also 150 auf 100 Seiten. Schade nur, dass der 150. neuste Tweet gerade mal 2 Stunden zurück liegt.
Auf die Fehlmeldung von Twitter bzw. von US-Nachrichtenportalen sind dann noch gleich eine Menge anderer Nachrichtendienste hereingefallen. Siehe Google News
Das letzte Ergebnis (Vor 4 Stunden gefunden – bz Berlin) geht jetzt schon garnicht mehr. Man bekommt 404 zurück.
Wenn man mal davon absieht, dass es vollkommen makaber ist einen schwerkranken Menschen in den Medien erst für tot zu erklären und es dann zurück zu nehmen, stehen wir mit Twitter (und anderen Social Media Anwendungen) auch vor einem tiefgreifenden Journalistischen bzw. Kommunikationsmedienproblem.
Durch den vermehrten User generated Content kommt es schnell zu Fehlmeldungen. Informationen müssen erst einmal publiziert werden, damit man sie nachprüfen kann.
Man muss also z.B. erstmal etwas in die Wikipedia eintragen, damit es ein anderer wieder löschen kann. Die Wikipedia hat da eine intelligente Lösung gefunden: das “Sichten” von Versionen.
Wenn ich etwas in die Wikipedia eintrage, dann wird diese “ungesichtete” Version erst einmal nur angemeldeten Usern gezeigt. Wer unangemeldet (z.B. über Google) auf Wiki stösst, der bekommt die zuletzt gesichtete Version zu Gesicht. Ein vertrauenswürdiger Wikipedianutzer (dieser muss mindestens x Monate angemeldet sein, wurde nie gesperrt etc. p.p.) sichtet diese Version dann, so wird sie für die Öffentlichkeit sichtbar.
Damit kann man Falschmeldungen keinesfalls ausschließen, aber man grenzt zumindest den Vandalismus ein.
Doch dies geht natürlich zu Lasten, des Verbreitungstempos.
Ich glaube, es wird niemals möglich sein User Generated Content mit den Qualitätsstandards zu verbinden, die wir aus den klassischen Medien kennen. Mit Qualitätsstandards meine ich jetzt nicht, dass Nachrichten immer richtig sind (auch in den klassischen Medien kennt man Fehlmeldungen), aber der Endnutzer der Medien bekommt ein sehr viel genauer geprüftes Resultat.
Das Twitterproblem ist übrigens NICHT neu. Man erinnere sich nur an die Terror Anschläge in Mumbai.
Fazit:
Man wird das Web 2.0 nicht aufhalten können. Aber Journalisten müssen lernen, dass sie ihre Quellen besser checken müssen. Es ist verdammt verlockend, Twitter als Quelle zu benutzen, wenn jemand live aus einem Krisengebiet twittert o.ä. nur nachprüfen ob diese Person auch wirklich in dem Gebiet sitzt lässt sich nicht immer so leicht.
Genau so ist es nicht immer sinnvoll Youtube Videos als Quelle zu verwenden, solche Fails gab es im Journalismus ja auch schon.
